Sonntag, 22. Januar 2017
keine Tradition
Schon wieder ein paar Tage her, kurz nach Weihnachten, aber etwas, was mich einige Tagen nachdenken ließ. Ich war gemeinsam mit meiner Vater meinen Opa besuchen. Freute mich über diese seltene gemeinsame Zeit. Das kommt vielleicht alle paar Jahre einmal vor und auch nur mit meinem Vater. Mit dem Rest der Familie bleibe ich nie alleine in einem Raum. Jedenfalls besuchten wir meinem Opa, auch ihn habe ich jahrelang nicht gesehen. Geschuldet dem Beruf, wenn Familienfeiern stattfanden musste ich immer arbeiten, so ist die Branche. Mein Großvater leidet unter Demenz, nicht diagnostiziert, und von der Verwandtschaft als "Vergesslichkeit" heruntergespielt, doch ziemlich deutlich spürbar. Trotzdem und trotz seines fortgeschrittenen Alters kommt er im Alltag noch recht gut zurecht, sogar ohne Pflege, nur mit Haushaltshilfe. Ich kann das verstehen, er hat ein Leben lang selbstständig gearbeitet, auch jetzt versucht er noch so selbständig wie möglich zu sein, absolut bewundernswert. Schwierig für die Angehörigen, der Grad zwischen ernstgenommen werden und Selbständigkeit zu lassen, man will ihm soviel Freiheit wie möglich lassen. Jedenfalls vergaß er immer wieder, was er uns erzählte, aber über die damalige Kriegszeit konnte er sehr geordnet erzählen, und das war hochinteressant. Ich dachte bisher das der Glaube in unserer Familie Tradition sei, doch mein Opa erzählte das sein Vater Nazi gewesen sei, für die Zeit nicht soo ungewöhnlich, aber ich war doch sehr überrascht, besonders als ich hörte dass er auch NSDAP Mitglied war. Allerdings scheinbar nicht wie der Großteil überzeugt. Er hielt die Familie wohl zum Schutze soweit wie möglich raus und warb auch nie für Hitler und für die Partei. Mein Opa fasste den Entschluss sein Leben Gott zu widmen, als er im 1944 in einem Seitengraben vor Dresden lag und die Bombenangriffe auf die Dresdener Altstadt sah und miterleben musste. Er versprach Gott sein Leben, wenn er diese Zeit überleben sollte. Er studierte nach dem Krieg Theologie und wurde Pfarrer. Nicht aus Tradition... Dieses Erlebnis, wenn man es so nennen will, als damals Jugendlicher, war die Motivation dafür.

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